Stress: Modekrankheit oder Gesundheitsrisiko?

Stress: Ist das eine Modekrankheit oder ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko? Betroffene wissen, wie stark Dauerstress die Gesundheit beeinträchtigen kann.

Doch die Stressreaktion selbst ist keine Krankheit. Es handelt sich um einen wichtigen Überlebensmechanismus. Erst wenn diese natürliche Körperreaktion aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es zu gesundheitlichen Beschwerden.

 

Stress: wenn ein Überlebensmechanismus zum Problem wird

 

Stress in verschieden Bereichen

Stress ist zu einem allgemeinen Begriff für Überlastung und ungewollte Lebensumstände geworden. Im täglichen Sprachgebrauch wird kaum zwischen den Auslösern, der körperlichen Reaktion und den emotionalen Auswirkungen unterschieden.

Die Stressreaktion des Körpers ist ein natürlicher Überlebensmechanismus. Er dient dazu, bei einem unerwarteten Angriff umgehend leistungsbereit zu sein. Nur dann hat eine Flucht oder eine Verteidigung Erfolgsaussichten.

Der Körper setzt Botenstoffe frei, die über das Nervensystem den gesamten Organismus in erhöhte Handlungsbereitschaft versetzen. Solange die Stresssituation anhält, versucht der Körper, die größtmögliche Leistungsbereitschaft herzustellen.

Dabei verbraucht er sehr viel Energie. Danach benötigt er eine ausreichend lange Regenerationsphase. In der modernen Lebenswelt spielen nicht nur körperliche Bedrohungen eine Rolle. In zunehmendem Maße sind mentale und psychische Belastungen die Hauptauslöser.

Wer unter Stress leidet, findet keine Gelegenheit, sich zu regenerieren. Die Stressauslöser sind zu zahlreich, die Belastungsphasen zu lang. Dadurch gerät der Organismus aus dem Gleichgewicht und reagiert mit Gesundheitsstörungen.

 

Stress ist nicht gleich Stress: Stresssituationen richtig einordnen

 

Medizin und Psychologie teilen Stress in eine positive und eine negative Variante ein. Gelegentlich sind die Begriffe Eustress und Disstress zu finden. Negative Stressfaktoren wirken bedrohlich oder überfordernd. Sie lösen Abwehrreaktionen, Depressionen.

Ängste oder Panik aus. Dabei kann es sich um einzelne, zeitlich begrenzte Situationen handeln oder um längere Zeiträume. Der Zeitfaktor ist mit entscheidend dafür, ob der negative Stress zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führt. Wird die unangenehme Situation schnell überwunden, kann sich der Körper entspannen. Passiert dies nicht, kommt es zu Überlastungsreaktionen.

Der Versuch, Stress vollständig zu vermeiden ist jedoch nicht empfehlenswert. Denn der menschliche Organismus reagiert auf positive und stimulierende Reize von außen mit angenehm erhöhter Anspannung und der Ausschüttung sogenannter Glückshormone.

Fehlen diese Anregungen, stellen sich Langeweile und Überdruss ein. Viele sportliche Freizeitaktivitäten beruhen auf dieser Reaktion. Welche Aktivitäten als besonders anregend empfunden werden, ist individuell sehr unterschiedlich.

Es gibt Menschen, die bewusst mit riskanten Aktionen einen Adrenalinstoß erzeugen und dies genießen. Andere tollen lieber mit ihrem Hund im Garten oder suchen geistige Herausforderungen.

Für die Leistungssteigerung kann beim Sport, in Schule, Studium oder Beruf die natürliche Stressreaktion ausgenutzt werden. Auf Dauer ist diese Methode jedoch völlig ungeeignet. Denn ab einem bestimmten Punkt sind die Reserven des Körpers aufgebraucht und die Leistung fällt drastisch ab.

Stress Leistung

In der Folge zeigen Sportler schlechtere Ergebnisse und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Überlastete Mitarbeiter werden krank und fallen langfristig.

 

Typische Symptome bei Stressbelastung

 

Eine Stressstudie aus dem Jahre 2016 zeigt: Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich gestresst. Belastender Stress kann den Körper in so umfassender Art und Weise beeinträchtigen, dass die Liste der möglichen Symptome sehr lang ist. Zu den häufigsten körperlichen Symptomen zählen:

• Kopfschmerzen
• Herzrhythmusstörungen
• Brustschmerzen
• Magen- und Darmprobleme
• Bluthochdruck
• Muskelverspannungen
• Hautreaktionen
• Infektanfälligkeit

Daneben sind folgende mentale und emotionale Anzeichen typisch:

• Konzentrationsprobleme
• Stimmungsschwankungen
• Unfähigkeit abzuschalten und zu entspannen
• Schlafstörungen
• Zunehmende Abneigung, sich mit neuen Aufgaben auseinanderzusetzen oder Routinearbeiten zu erledigen

Alle diese Anzeichen können auf anderen Ursachen beruhen. Meist treten sich schleichend auf und verstärken sich mit der Zeit. Daher ist es zunächst schwierig zu erkennen, dass stressbedingte Probleme vorliegen. Wenn Du mehrere dieser Anzeichen feststellst, kann es sein, dass Deine Lebensweise zu viele und zu häufige Stressreaktionen in Deinem Körper auslöst.

Wer die Stressbelastung zu lange ignoriert, leidet oft unter chronischen Varianten der einzelnen Symptome. Herz-, Kreislauf- und Verdauungsprobleme führen zu ernsthaften Erkrankungen, die eine ärztliche Behandlung erfordern. Bei manchen Betroffenen treten langwierige Hautkrankheiten, Dauerkopfschmerz oder Depressionen auf.

 

Burnout: Wenn der Körper nicht mehr mitmacht

 

Burnout schwarz weiß

Burnout wird nicht immer als Erkrankung ernst genommen. Diese Einschätzung verkennt, was die Betroffenen an tatsächlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleben.

Das englische Wort entspricht dem, was im Deutschen als "ausgebrannt sein" bezeichnet wird.

Ein anerkannter medizinischer Begriff ist Burnout nicht. Deshalb gibt es auch keine exakten wissenschaftlichen Definitionen.

Hauptansatzpunkt ist die Selbsteinschätzung der Betroffenen. Sie klagen über ständige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und schwindende Leistungsfähigkeit.

Viele fühlen sich leer und mutlos. Auf Ihre Umwelt reagieren sie zunehmend gereizt, zynisch oder sich schotten sich ab. Als eine Hauptursache für diesen Zustand gilt eine dauernde Überlastung im privaten und beruflichen Bereich.

Besonders Berufe mit hoher Arbeitsbelastung und viel Kontakt zu Mitmenschen scheinen betroffen. Neben diesem Burnout durch Dauerstress gibt es eine Variante, die nicht durch ein Übermaß an Anforderungen ausgelöst wird.

Bei einigen Fällen entsteht emotionale Belastung durch einen ständigen Mangel an Anerkennung, Unzufriedenheit und einem schlecht funktionierenden sozialen Umfeld.

 

Gezielt abschalten und entspannen: So kann sich der Körper regenerieren

 

Gegen Stressbeschwerden hilft vor allem gezielte Entspannung. Das ist nicht immer leicht. Aber die Fähigkeit, bewusst mit Stresssituationen oder längeren Belastungsphasen umzugehen, lässt sich trainieren. Wichtig ist, die ersten Anzeichen von Stressbelastung zu erkennen.

Dann hast Du die Möglichkeit, gezielt damit umzugehen. Verschiedene Methoden helfen Dir dabei, Stress abzubauen und Erkrankungen durch Dauerstress vorzubeugen.

Atemübungen: Atemübungen haben mehrere Vorteile. Durch das konzentrierte Atmen entspannt sich der Körper. Die verbesserte Sauerstoffzufuhr steigt die Leistungsfähigkeit. Wenn Du Dich auf die Übungen konzentrierst, lenkst Du Dich außerdem kurzfristig von Stress auslösenden Problemen ab. Nach den Übungen ist der Kopf klarer, und Du kannst besser Lösungen finden.

Meditative Techniken: Meditationen fördern innere Ruhe und inneres Gleichgewicht. Daher sind für Stressgeplagte einfache Meditationstechniken sinnvoll. Sie müssen nicht in einem religiösen Umfeld erfolgen. Du kannst sie als regelmäßige Übung in den Tagesablauf einplanen oder bei akuten Stresssituationen durchführen.

Autogenes Training, Biofeedback und Muskelentspannung: Bei diesen Entspannungstechniken lernst Du, Deinen Körper bewusst zu entspannen. Bei regelmäßiger Anwendung lassen sich Ausgeglichenheit und Stressresistenz verbessern. Du hörst Deinem Körper besser zu und kannst Stresssignale schneller erkennen. Das Risiko stressbedingter Beschwerden sinkt dadurch deutlich.

 

Medikamente und Heilmittel bei stressbedingten Beschwerden

 

Medikamente gegen Stress

Eine medikamentöse Behandlung bei Stress zielt vorwiegend auf die jeweiligen körperlichen Symptome ab. Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Ekzeme sollten fachgerecht behandelt werden.

Daneben gibt es Wirkstoffe, die generell zur Beruhigung, Entspannung oder Schlafförderung dienen. Bei massiven Problemen ist zunächst eine ärztliche Diagnose erforderlich.

Leichte, gelegentliche Beschwerden lassen sich mit frei verkäuflichen Präparaten oder Hausmitteln lindern.

Bei Schlaf- und Schmerzmitteln ist Vorsicht geboten. Denn bei ihnen besteht ein Abhängigkeitsrisiko. Sie sind nicht für die Dauerbehandlung gedacht und dürfen auf keinen Fall überdosiert werden. Die Medikamente nützen wenig, wenn nicht zusätzlich die Stressauslöser reduziert oder eliminiert werden.

Für eine erfolgreiche Behandlung der Beschwerden muss eine Auseinandersetzung mit den entsprechenden Stressfaktoren erfolgen.

Medikamente: Nach der Diagnose verschreibt der Arzt Präparate für die vorliegenden Beschwerden. Das können Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Magensäureblocker oder Salben gegen Ekzeme sein. Bei beträchtlichen Erkrankungen ist eine langwierige medikamentöse Therapie erforderlich. Gegen stressbedingte Angststörungen, Schlaflosigkeit und Unruhe werden oft Benzodiazepine eingesetzt.

Homöopathie: Bei einem vielschichtigen Beschwerdebild wie stressbedingten Erkrankungen solltest Du einen Experten zurate ziehen. Die Wahl des homöopathischen Mittels erfolgt nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Heilpraktiker. Phosphorus, Acidum phosphoricum, Lycopodium oder Nux vomica sind nur einige Beispiele für die Wirkstoffe, die bei Gesundheitsstörungen durch Stress infrage kommen.

Bachblüten: In der Naturheilkunde zählt die Bachblütentherapie zu den wichtigsten Behandlungsmethoden für Stresserkrankungen. Sie zielt darauf ab, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Wissenschaftlich lässt sich ein Wirkungsmechanismus der Blütenessenzen nicht nachweisen. Dennoch hat sich die Therapie etabliert. Für extrem belastende Situationen gibt es die Notfall- oder Rescue-Tropfen aus einer Kombination mehrerer Essenzen.

Heilpflanzen: Traditionelle Heilpflanzen sind eine weitere Möglichkeit, Stresssymptome zu lindern. Baldrian, Melisse oder Hopfen werden seit Langem zur Beruhigung eingesetzt. Du erhältst sie als Tee oder in Kapselform in Drogerien und Apotheken.

Johanniskraut ist ein pflanzliches Antidepressivum. Lichtempfindlichkeit und Allergien zählen zu den möglichen Nebenwirkungen dieser Pflanze. Ginseng kann die Leistungsfähigkeit steigern und helfen, mit Stress besser zurechtzukommen. Diabetes- und Bluthochdruckpatienten sollten Ginsengpräparate jedoch meiden.

 

Wohltuende Massagen für mehr Entspannung

 

Massagen sind ein hervorragendes Mittel, den Körper zu entspannen und Stress abzubauen. Dadurch sind sie ein wertvolles Hilfsmittel bei der Behandlung stressbedingter Beschwerden.

So unterschiedlich die einzelnen Methoden sind, sie haben etwas gemeinsam: Sie lindern körperliche Beschwerden und ermöglichen eine Auszeit von Stress und Anforderungen von außen. Du kannst Dich entweder massieren lassen oder Selbstmassagetechniken erlernen. 

Körpermassage: Bei dieser Massage werden große Bereiche des Körpers oder der gesamte Körper massiert. Dies lockert die Muskulatur, löst Verspannungen und fördert die Durchblutung. Besonders stressbedingte Verkrampfungen in Rücken, Schultern und Nacken lassen sich auf diese Weise gut behandeln. 

Reflexzonenmassage: Diese Massageformen konzentrieren sich auf einen bestimmten Körperteil, zum Beispiel Hand, Fuß, Gesicht oder Ohr. Diese Körperbereiche sollen Reflexzonen aufweisen, die mit anderen Regionen des Körpers und Organen in Verbindung stehen. Die Massage wirkt entspannend und unterstützt die Behandlung körperlicher Beschwerden.

Akupressur: Die Akupressur ist eine punktuelle Massage. Sie stimuliert Reizpunkte, die aus der Akupunktur bekannt sind. Sowohl allgemeine Beschwerden als auch spezifische Erkrankungen lassen sich auf diese Weise behandeln.

 

Mehr Zeit für Freizeit: Tagesabläufe neu planen

 

Auszeit planen

Wenn die Lebensweise zu stressig wird, ist es an der Zeit, Angewohnheiten und Alltagsroutinen zu überprüfen.

Regelmäßige Aufzeichnungen helfen Dir dabei, die wichtigsten Stressauslöser zu erkennen. Danach kannst Du Dir überlegen, wie Du sie besser vermeiden kannst.

Es ist zwar kaum möglich, negativem Stress immer aus dem Weg zu gehen.

Aber wenn Du Dich nicht ständig überlastet fühlst, fällt es Dir viel leichter, mit einzelnen Stresssituationen umzugehen. Finde heraus, in welchen Situationen Du besonders rasch gestresst reagierst.

Das ist nicht in allen Fällen einfach. Denn bei automatischen Reaktionen besteht das Risiko, dass Du Dich an sie gewöhnt hast und sie nicht mehr bewusst wahrnimmst. Hier kann ein Gespräch mit einem Therapeuten helfen.

Wenn Du schon länger unter Stressbelastung leidest, ist es möglich, dass Du das Abschalten neu lernen musst. Es gibt eine Fülle von Ratschlägen, Tipps und Methoden, wie Du dies tun kannst. Das Wichtigste dabei ist, etwas zu finden, das wirklich zu Dir passt.

Den Tagesablauf zu überprüfen und Zeiträume für Entspannung einzuplanen, gehört dazu. Abschalten kannst Du mit Deiner Lieblingsmusik, beim Spazieren, Schwimmen oder einer anderen Tätigkeit, die Du wirklich gerne machst. Ein neuer Lieblingssport ist ideal.

Denn sportliche Aktivitäten helfen nachweislich dabei, Stress abzubauen. Auch hier gilt: Suche Dir aus der Fülle von Angeboten etwas aus, was Dir wirklich Spaß macht. Es gibt Einzel- und Mannschaftssportarten, Aktivitäten mit hoher oder niedriger Intensität.

Wenn Du naturverbunden bist, passt Wandern, Reiten, Surfen oder ein Bootssport. Ein regelmäßiger Saunagang oder ein Wellness-Wochenende helfen, den Alltagsstress zu vergessen. Ausreichend Schlaf ist ebenfalls eine ausgezeichnete Regenerationsmethode. Achte auf ein ruhiges, angenehmes Umfeld, damit Du ungestört durchschlafen kannst.

 

Nein sagen können und Stress abbauen

 

Lerne nein zu sagen

Wenn Du Dich regelmäßig gestresst fühlst, kann es hilfreich sein, öfter einmal "nein" zu sagen.

Darauf weist Dr. Dietmar Hansch in einem ausführlichen Interview zum Thema Stress und Burn-out hin.

Selbst wenn Du gerne anderen hilfst, solltest Du das nicht auf Kosten Deines eigenen Wohlbefindens tun. Nein sagen können ist eine wichtige Sozialkompetenz, insbesondere in stressigen Phasen.

 

 

 

 

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